Die drei Trassen auf dem Plan der Messestadt markiert:

Schauen Sie sich den Siegerentwurf für den 4. Bauabschnitt der Messestadt Riem an.

 

Stellen Sie sich vor, dass zwischen dem kleinen Wäldchen links im Bild und der Flughafentribüne eine Straße für 15.000 Fahrzeuge am Tag verlaufen würde. Wir haben uns überlegt, was das bedeuten würde und uns gefragt, ob die Messestädter eine Südwestanbindung für die Messestadt brauchen.

 

Soll so viel öffentliches Grün verloren gehen für eine Straße, über die das Planungreferat so schreibt:

 

"Mit einer Umfahrung Kirchtruderings entsteht eine lokal begrenzte Verkehrsverlagerung (Anlage 11) die zur Entlastung für die Straße Am Mitterfeld und für die Emplstraße führt. Ansonsten sind keine weiteren positiven Wirkungen auf Trudering zu erwarten."

 

"Hochwertige Standorte für Wohnbebauung am Park werden qualitativ erheblich abgewertet oder gehen verloren".

 

Sollen wir Messestädter so viel opfern, um eine Straße zu bauen, die so wenig bringt?

 

Die Stadt München hat viele Ressourcen in den neuen Stadtteil Messestadt Riem investiert. Es soll ein Quartier am Park sein, mit hoher Lebensqualität, sehr kinderfreundlich, mit einer „ausgewogenen Bevölkerungsstruktur“.

 

Nachdem Trasse 2 vom Tisch ist und Trasse 1 von niemandem befürwortet wird, würde die Umfahrung in Trasse 3 am Rande der Messestadt verlaufen, westlich der ehemaligen Flughafentribüne.

 

 

 

Mehr Lärm und Dreck für für mehr Menschen als heute

 

Unmittelbar von Dreck und Lärm betroffen wären die Bewohner des 4. Bauabschnitts, südlich des Edinburghplatzes, und die des 5. Bauabschnitts (Arrondierung Kirchtruderings). Dort werden in den nächsten Jahren cirka 1.500 neue Wohneinheiten entstehen. Die Menschen, die dort einziehen werden, können sich jetzt gegen die Umfahrung nicht wehren, weil sie dort noch nicht wohnen. Deswegen fordern manche Politiker eine schnelle Entscheidung für die Umfahrung. Wie bei einer Begehung der vorgeschlagene Trasse 3 am 21. April 2012, als „der Landtagsabgeordnete Markus Blume am Beispiel Perlach aufzeigte, dass Straßenbauten nach dem Bezug von Siedlungen kaum mehr durchsetzbar seien. Die Trassen-Entscheidung müsse deshalb bald getroffen werden." Das bedeutet, dass die Umfahrung gar nicht vertretbar wäre, wären die Bauabschnitte 4 und 5 schon fertig gebaut!

 

Es bleibt der Eindruck, dass die Umfahrung jetzt hinter dem Rücken der zukünftigen Bewohner geplant wird. Wenn sie ganz unbedenklich für die Anwohner wäre, könnte man sie problemlos auch nach der Fertigstellung der Bauabschnitte 4 und 5 bauen.

 

Hier werden Menschen leben, die sich jetzt gegen die Umfahrung nicht wehren können, weil sie dort noch nicht wohnen! Wer in die Messestadt zieht, will an einem Park leben, und hat sich nicht freiwillig dafür entschieden, an einer bereits existierenden stark befahrenen Straße zu wohnen, wie es bei der Straße Am Mitterfeld der Fall ist.

 

 

Würden die Kinder noch ungestört alleine draußen spielen dürfen?

 

Viele junge Familien wählen die Messestadt, weil dieses eines der wenigen Viertel in München ist, in dem die Kinder allein draußen spielen können, da es dort sehr wenig Autoverkehr gibt. In der Stadt ist das als großer Schatz zu betrachten.

 

Heutzutage können nur wenige Kinder in München draußen mit Freunden spielen ohne eine ständige Überwachung durch Erwachsene. Würden die Eltern im Bauabschnitt 4 und 5 sich noch trauen ihre Kinder allein draußen spielen zu lassen, wenn eine stark befahrene Straße neben ihrer Wohnung verläuft?

 

Nein, das würden sie nicht.

 

Welche sozialen Auswirkungen hätte eine Umfahrungsstraße?

 

Die Umfahrung würde auch soziale Nebenwirkungen mit sich tragen. Niemand, weder die Bewohner von Trudering und Riem, noch der Bezirksausschuss 15, noch die Stadt München wünschen sich, dass die Messestadt ein sozialer Brennpunkt wird. Die Stadt hat erkannt, dass der extrem hohe Anteil an geförderten Wohnungen in der Messestadt den angestrebten "Münchener Mix" zu kippen droht. Was würde passieren wenn die Umfahrung gebaut wird? Viele, die es sich leisten könnten, umzuziehen, würden dies tun. Die soziale Struktur der Messestadt würde sicherlich darunter leiden. Das kann sich niemand wünschen.

 

Um eine ausgewogene Bevölkerungsstruktur zu erhalten, muss die Messestadt in den nächsten Jahren viele Menschen anziehen, die langfristig an einem guten Zusammenleben interessiert sind. Menschen, die sich darüber freuen dort zu leben, und sich für die Gesellschaft vor Ort engagieren. Wenn die Umfahrung gebaut wird, werden in den 4. und 5. Bauabschnitt nur Leute ziehen, die im teuren München nichts Besseres gefunden haben als eine Wohnung neben einer stark befahrenen Straße am Rande der Stadt. Das sind schlechte Voraussetzungen für eine gute soziale Entwicklung des Viertels.

 

 

Die denkmalgeschutzte Tribüne mit Kopfbau

Die Flughafen-Tribüne ist denkmalgeschützt und als Biotop deklariert. Fünf Meter im Anschluss an den Kopfbau werden demnächst für 1.760.000 Euro saniert (http://www.ris-muenchen.de/RII2/RII /ris_vorlagen_kurzinfo.jsp?risid=2634469). Würde solch ein empfindliches Bauwerk die Bauarbeiten und den starken Verkehr an der Umfahrung unversehrt überstehen? Nein. Die Tribüne würde nur noch als Lärm- und Dreckschutz dienen und diese Aufgabe nicht mal gut erfüllen.

 

Entlang der Tribüne verläuft schon jetzt die Werner-Eckert-Straße. Das ist nur ein schmaler alsphaltierter Weg, der praktisch nicht befahren wird, da er ausschließlich in den Park mündet. Trasse 3 wäre eine breite zweispurige Straße mit Tausenden von Fahrzeugen am Tag. Es ist berechnet worden, dass sie ein um 33 Prozent höheres Verkehrsaufkommen erzeugen würde als jetzt durch die Straße Am Mitterfeld fließt.

Zur Zeit wird öffentlich über die Verwendung des Kopfbaus der Zuschauertribüne diskutiert. Dieses Bauwerk könnte eine integrative Funktion für die gesamte Messestadt einnehmen, sollte es zum Beispiel als Café oder Kulturzentrum verwendet werden. Diese Funktion würde aber durch die Umfahrung verloren gehen.

 

Brauchen die Messestädter wirklich eine Umfahrung?

 

Es heißt, sie würde die Fahrt nach Trudering zum Einkaufen erleichtern. Wenn ein Discounter und eine Drogerie in der Messestadt Ost demnächst entstehen, werden die Bewohner der Messestadt es nicht mehr nötig haben, oft nach Trudering zu fahren, um ihre Einkäufe zu erledigen.

 

Was sagt das Referat für Stadtplanung und Bauordnung?

 

Bezüglich der Trassenvariante 3 kann man einige Passagen der Beschlussvorlage des Referats für Stadtplanung und Bauordnung vom 12. Mai 2011 zitieren:

 

(Seiten 18 und 19)

„Die „Parktrasse“ hat die größte Zerschneidung des stadträumlichen Zusammenhangs zur Folge und löst maximale Versiegelungs- und Barriereeffekte im Riemer Park aus. Der konzeptionelle Grundgedanke der Verzahnung von Stadt und Landschaft wird erheblich in Frage gestellt. Eine Vernetzung der Arrondierung Kirchtruderings mit dem 4. BA Wohnen der Messestadt ist nur vereinzelt durch Querungsmöglichkeiten für den Fuß- und Radverkehr möglich, der geplante westliche Parkeingang von Kirchtrudering wird durchschnitten; der Platz der Tribüne kann nicht mehr die beabsichtigte Verbindungsfunktion zwischen den Ortsteilen erfüllen Blickbeziehungen zwischen Kirchtrudering und der Messestadt Riem bzw. in den Riemer Park sind wegen der Notwendigkeit von Lärmschutzmaßnahmen kaum möglich; eine Troglage scheidet weitgehend aus.“

 

„Die Funktion des Biotopschwerpunkts im Bereich der Tribüne und die schon realisierten Ausgleichsflächen für Eingriffe in der Messestadt Riem verlieren ihre inhaltliche Begründung. Der Lebensraumverbund wird deutlich gestört.“

 

„Immissionsschutz:

Die Immissionsgrenzwerte der Verkehrslärmschutzverordnung [...]werden in den östlichen Randbereichen der Arrondierung Kirchtruderings überschritten. Die größten Beeinträchtigungen erfährt der Riemer Park. Diese sind nur über aktive Lärmschutzmaßnahmen in Griff zu bekommen, wodurch die Barrierewirkung noch weiter verschärft wird. Die Erholungsfunktion und die Aufenthaltsqualität im Riemer Park wird insgesamt deutlich beeinträchtigt sein."

 

Nein, die Bewohner der Messestadt können wirklich keine Umfahrung Kirchtruderings brauchen!

 

 

 

 

 

 

 

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